“Bücher hatten wir keine”

Isabel Carqueville am 18. Mai 2010 um 11:09

Auf die Frage, was denn ihr Lieblingskinderbuch war, antworten viele der TeilnehmerInnen, dass sie als Kind keine Bücher besaßen und dadurch nur wenig lesen konnten, weil Bücher einfach zu teuer waren. Meistens wurde aus der Stadtbücherei ausgeliehen und auch mehrfach gelesen, oft erst als Juegendliche oder junge Erwachsene.

Für viele der Teilnehmerinnen war die Zeit der eigenen Mutterschaft eine Möglichkeit, die vielen Kinderbücher nachzuholen. Alle Frauen aus der Runde lasen ihren Kindern Geschichten vor und schenkten ihren Kindern Bücher.

Viele aus der Runde kennen natürlich die “Klassiker”: Den Struwwelpeter und Max und Moritz und sprechen ihnen einen hohen pädagogischen Wert zu. Viele mögen bis heute Sagen und Märchen, wie das Nibelungenlied oder die Hausmärchen der Brüder Grimm. Die Bücher, an die sich die TeilnehmerInnen erinnern, sind oft sehr naturverbundene Geschichten, wie Beispielsweise die Wurzelkinder.

Durch die vielen Themen der einzelnen Bücher sind wir oft auch vom eigentlich Thema abgekommen, dennnoch haben wir zum Schluss unseres Treffens auch über moderne Medien wie Hörbücher und Ebooks sprechen können. Oft haben die TeilnehmerInnen heute nicht mehr die Ruhe sich in die Geschichte eines Buches fallen zu lassen oder sie sind der Meinung, dass viele der frisch erschienenen Romane alte Geschichten in neuem Gewand seien. Biographien hingegen lesen die meisten der TeilnehmerInnen gerne.

Mit 17 hat man noch Träume…

Daniela Albert am 15. Mai 2010 um 10:06

…mit einer Traumreise zurück zum Zeitpunkt, an dem die Teilnehmer 17 Jahre alt waren, starteten wir das Erzählcafé zum Thema “Träume” am 3. Mai 2010.

Während der Herr in der Runde von Frauen, Büchern und großen Philosophen träumte, hatten die Damen alle einen besonderen Herzenswunsch, an den sie abends vor dem Einschlafen dachten: Sie wollten einen Beruf erlernen. Für viele von ihnen blieb jedoch genau dieser Wunsch unerfüllt. Verpflichtungen im Elternhaus, Armut, Krieg und Nachkriegszeit hinderten die meisten Teilnehmerinnen am Erlernen eines Berufes und zwangen sie dazu, als Hausangestellte in fremden Familien oder als Hilfe auf dem elterlichen Bauernhof zu arbeiten. In jener Zeit träumten sie dann davon, selbstständig zu sein und allein den eigenen Haushalt zu führen, genügend Geld zu haben und endlich mit beiden Beinen im Leben zu stehen.

Für wilde Träumereien von Jungs, Stars oder unerwartetem Reichtum blieb - zumindest in der Erinnerung der Frauen - wenig Zeit, denn der harte Alltag hatte dafür gesorgt, dass sie immer in der Realität blieben.

Im späteren Leben änderten sich die Träume von allen Teilnehmern. Nun wollten sie etwas von der Welt sehen. Die Träume drehten sich häufig um Reiseziele, manchmal ganz exotische und manchmal eher nahe gelegene. In diesem Zusammenhang “besonders” waren die Wunschziele von zwei Teilnehmerinnen, die ihre Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg verlassen mussten - sie wollten nur einmal wieder nach Hause.

Es waren die Heimweh- und Fernwehträume, die wirklich in Erfüllung gingen und die Teilnehmer an alle möglichen Orte führten: manche bis nach China oder Kanada und andere einfach nur nach Hause!

Frauen und Männer

Daniela Albert am 19. April 2010 um 21:11

Der große Unterschied zwischen Mädchen und Jungen mit 10 Jahren

Die Mädchen waren damals viel zickiger

Der große Unterschied zwischen Frauen und Männern im Alter

Die Männer sind so zickig im Alter

In diesem Kreis drehte sich unser heutiges Erzählcafé, welches zugleich den Auftakt für die nächste Runde lieferte.

Wir haben uns durch die Jahrzehnte gearbeitet. In der Kindheit spielten die unterschiedlichen Geschlechter miteinander, ärgerten sich auch Mal, und wenn die Mädchen zu zickig wurden, ging man ihnen aus dem Weg. Die Frauen hatten das Gefühl, dass sie mehr im Haushalt helfen mussten als ihre Brüder.

Mit 20 lebten die Meisten in ziemlich traditionellen Strukturen und Geschlechterrollen. Die Frauen kümmerten sich um den neu gegründeten Haushalt und bekamen zum Teil ihre ersten Kinder, während die Männer arbeiten gingen. Die beiden Teilnehmerinnen, die ebenfalls einen Beruf erlernen konnten, beklagten, dass sie deutlich weniger verdienten, als ihre männlichen Kollegen.

Mit 30 wurden die Frauen selbstbewusster, sie sahen sich selbst mehr als “gestandene Frauen” mit Lebenserfahrung. Die Teilnehmerinnen waren in dieser Zeit die treibenden Kräfte in ihren Familien, und auch der Teilnehmer äußerte sich in ähnlicher Weise über seine Frau. Auch haben die Damen im Nachhinein das Gefühl, sich in diesem Alter öfter gegen ihren Partner durchgesetzt zu haben.

Bei der Kindererziehung übernahmen die Mütter die alltäglichen Aufgaben, wie zum Beispiel die Betreuung der Hausaufgaben. Die Väter waren eher für Ausflüge und Unternehmungen am Wochenende zuständig.

Bis zum Eintritt ins Rentenalter haben sich die Geschlechterrollen und Machtstrukturen in den Beziehungen vom Gefühl der Teilnehmerinnen her angeglichen und teilweise sogar umgekehrt. Letzteres rechneten sie vor allem der Tatsache an, dass sie als Frauen besser mit dem Alter zurecht kommen als die Männer.

Erste Berufswünsche

Daniela Albert am 15. März 2010 um 12:02

Rechts gibt es nun eine neue Kategorie, in der die TeilnehmerInnen über ihre ersten Berufswünsche berichten. Dieses Thema wurde von Tanja Jürgensen mit der Gruppe bearbteitet.

Braucht man Bräuche?

Daniela Albert am 5. März 2010 um 14:53

Um diese Frage ging es im verspäteten letzten Teil dieser Runde vom Erinnerungsklatsch.

Ja, die Teilnehmerinnen und der Teilnehmer waren sich einig: man braucht Bräuche. Sie geben Halt, Sicherheit, bewahren Erinnerungen und sind manchmal einfach nur schön.

Doch es gibt auch Bräuche, die sehr kritisch gesehen wurden: nicht jeder fand zum Beispiel Hochzeitsbräuche wie die Brautentführung oder den Polterabend schön und viele sind froh, dass man sich heutzutage auch gegen solche Bräuche auf der eigenen Hochzeit entscheiden kann.

Eine Teilnehmerin berichtete hingegen von einem sehr schönen Hochzeitsbrauch:

In dem Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, gab es ein Sägewerk. Wenn jemand heiratete, verzierte die Dorfjugend den ganzen Weg vom Elternhaus der Braut bis in die Kirche mit riesigen, ineinander verschlungenen Sägemehlringen.

Eine Teilnehmerin, die bereits ihre Kindheit in Kassel verbrachte, erinnerte sich im Zusammenhang mit dem Wort Bräuche an folgendes Zitat:

Der alte Brauch wird nicht gebrochen, hier können Familien Kaffee kochen

Ein Schild mit dieser Aufschrift fand sich oft in Ausflugslokalen in der Umgebung und bedeutete, dass Familien dort ihr eigenes Kaffeepulver abgeben konnten und eine Kanne frisch aufgebrühten Kaffee dafür erhielten. Bezahlen mussten sie nur das Wasser.

In ländlichen Gegenden war die Kirmes am Ende der Erntezeit ein jährliches Highlight. Dieses Fest, auch bekannt als Kirchweih oder Kirchmess, war vor allem ein Fest der Jugend. Wer es sich leisten konnte, kaufte sich zu diesem Anlass neue Kleider und hielt diese bis zum Kirmesabend vor neugierigen Augen versteckt. Das Kirmeskleid war nämlich etwas ganz besonderes.

Abschließend diskutierten wir noch ein bisschen über das Kasseler Wasserfest - den Zissel. Dieser Brauch entstand in den 20er Jahren auf Initiative der Wassersportvereine. Die Idee dahinter war, ein Volksfest zu etablieren, bei dem unser Fluss - die Fulle - im Vordergrund steht. Der Zissel wird in Kassel noch immer jedes Jahr gefeiert. Ob es dabei noch vordergründig um das Wasser geht, sei jedoch dahingestellt. Einigen konnten wir uns jedoch darauf, dass der Wasserumzug noch immer ein Highlight des Zissels ist.