Schatzkiste

Im Laufe des Projektes erinnern sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an viele verschiedene Dinge, die für ihre Generation typisch oder geläufig waren, von denen man aber heute oft wenig bis gar nichts weiß. In der Schatzkiste sollen diese Wörter, Gedichte, Rezepte oder Redewendungen gesammelt werden.

Affenschaukeln

Die Teilnehmerinnen nannten so eine bestimmte Frisur, die sie als Mädchen trugen: Ihre Zöpfe wurden einfach - statt runter zu hängen - mit dem Ende wieder nach oben gesteckt. Somit sah es aus, als hätten sie zwei Schaukeln an den Ohren hängen.

Cheselong

Ein Cheselong ist eine Mischung aus einem Sofa und einem Bett. Statt einer Lehne besitzt es auf der einen Seite eine Kopfstütze, es ist aber gepolstert wie ein Sofa. Es befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hinein in die Nachkriegszeit in vielen Haushalten und diente als Schlafplatz in der Küche oder als “Gästebett” im Elternschlafzimmer oder der Stube.

Das Gewitter

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
In dumpfer Stube beisammen sind;
Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt,
Großmutter spinnet, Urahne gebückt
Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl -
Wie wehen die Lüfte so schwül!

Das Kind spricht: Morgen ists Feiertag,
Wie will ich spielen im grünen Hag,
Wie will ich springen durch Tal und Höhn,
Wie will ich pflücken viel Blumen schön;
Dem Anger, dem bin ich hold! -
Hört ihrs, wie der Donner grollt?

Die Mutter spricht: Morgen ist Feiertag,
Da halten wir alle fröhlich Gelag,
Ich selber, ich rüste mein Feierkleid;
Das Leben, es hat auch Lust nach Leid,
Dann scheint die Sonne wie Gold!
Hört ihrs, wie der Donner grollt?

Großmutter spricht: Morgen ist Feiertag,
Großmutter hat keinen Feiertag,
Sie kocht das Mahl, sie spinnet das Kleid,
Das Leben ist Sorg und viel Arbeit;
Wohl dem, der Tat, was er sollt!
Hört ihrs, wie der Donner grollt?

Urahne spricht: Morgen ist Feiertag,
Am liebsten morgen ich sterben mag:
Ich kann nicht singen und scherzen mehr,
Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer,
Was tu ich noch auf der Welt?
Seht ihr, wie der Blitz dort fällt?

Sie hörens nicht, sie sehens nicht,
Es flammet die Stube wie lauter Licht:
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
Vom Strahl miteinander getroffen sind,
Vier Leben endet ein Schlag-
Und morgen ist Feiertag

Der Geburtstagsgratulant

Guten Morgen sollt ich sagen,
Und ein schönes Kompliment,
und die Mutter ließ’ auch fragen,
wie die Patin sich befänd’!

Und der Strauß wär aus dem Garten,
wenn ihr etwa danach fragt,
an der Tür dann sollt ich warten,
ob ihr mir auch etwas sagt.

Und hübsch grüßen sollt ich jeden
Und ganz still sein wenn man spricht,
und recht deutlich sollt’ ich reden,
aber schreien sollt ich nicht.

Doch ich sollt’ mich auch nicht schämen,
denn ich wär’ ja brav und fromm -
Nur vom Kopf die Mütze nehmen,
wenn ich in das Zimmer komm!

Wenn mir eins was schenken wollte,
sollt’ ich sagen: Danke schön!-
Aber unaufhörlich sollte
Ich nicht nach der Torte sehn.

Und hübsch langsam sollt’ ich essen,
stopfen wär’ hier garnicht Brauch,
und - bald hätt’ ich es vergessen -
gratulieren sollt ich auch.

Goldeimer

Der Eimer, der im Plumpsklo stand.

Gosse

Rinne an der Straße, in die das Abwasser der Haushalte geschüttet wurde.

Griffel

Ein Griffel ist ein Schreibgerät, mit dem man eine Schiefertafel beschreiben kann. Früher wurde er von den Schülern in ihren ersten Schuljahren benutzt und später durch den Füller und das Tintenfass abgelöst.

Grudeofen

Ein Herd in Form eines Schrankes, mit unterschiedlichen Fächern, zum Backen und Warmhalten.

Hahnenkamm

Hahnenkamm nennt sich eine bestimmte Haarfrisur, die viele Teilnehmerinnen meines Projekts in ihrer Kindheit und Jugend trugen. Die vorderen Haarpartien sprich das Pony und die Strähnen über den Schläfen wurden dabei zusammengedreht und am Hinterkopf mit einem kleinen Kamm fixiert.

Kartoffeln stoppeln

Früher wurde die Kartoffelernte noch durch viele helfende Hände statt mit Maschinen erledigt. Wenn die eigentliche Ernte beendet war, gingen die Kinder auf das Feld und suchten dort nach kleinen, liegengebliebenen Kartoffeln. Meistens durften sie diese mit nach Hause nehmen und leisteten somit einen wichtigen Beitrag zur Ernährung ihrer Familien.

Knickerbocker

Knickerbocker sind etwa Waden lange Hosen. In der Kindheit der Projektteilnehmer wurden sie zumeist von Männern getragen und galten als sehr schick.

Der Name Knickerbocker stammt aus einem Roman von Washington Irving. Die Hauptfigur darin heißt Jansen Knickerbocker und war einer der ersten holländischen Siedler in New York.

Muckefuck

Ein Kaffeeersatz aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, hergestellt aus verschiedenen Getreidesorten.

Pflichtjahr

Die älteren unter den Teilnehmerinnen des Erinnerungsprojekts erinnern sich an ihr eigenes “Pflichtjahr”. Dieses wurde 1938 von den Nationalsozialisten eingeführt und verpflichtete alle Frauen und Mädchen unter 25 dazu, einer anderen Familie ein Jahr im Haushalt oder der Landwirtschaft zu helfen. Besonders kinderreiche Familien bekamen so tatkräftige Unterstützung. Die Mädchen sollten dadurch auf ihre Rollen als Hausfrauen und Mütter vorbereitet werden.

Pfühl

Das Wort Pfühl taucht im Gedicht „Das Gewitter“ auf, dort ist es der Urahne, der hinterm Ofen im Pfühl sitzt. Dabei handelt es sich um ein großes, mit Federn gefülltes Ruhekissen.

Ein Pfühl kann aber auch ein Lager oder ein Bett sein.

Schnecken

Schnecken waren ebenfalls eine Abwandlung der normalen Zopffrisur in der Kindheit und Jugend der Teilnehmerinnen. Ihre Zöpfe wurden auf Höhe der Ohren schneckenförmig gedreht.

Spültisch

Ein Tisch, in den zwei Schüsseln eingelassen waren, in denen das Geschirr gespült wurde.

Steckrübensuppe

An die Steckrübensuppe erinnern sich die Teilnehmer eher mit Schrecken zurück. Denn besonders in den Kriegs- und Nackkriegsjahren, als es nicht viel gab, wurde alles verwertet, was irgendwo auf den Feldern wuchs. Dazu gehörten auch Steckrüben. Die Steckrübensuppe bestand damals größtenteils aus Wasser. Heute wird sie wieder häufiger gekocht, allerdings häufig mit verschiedenen Kräutern und Sahne verfeinert.

Man nehme:

Ein Stück geräucherten Speck,
2 Zwiebeln, etwas Butter
1 Steckrübe
3 - 4 Möhren
nach Belieben Kartoffeln, gehackte Petersilie

Zwiebeln in Butter anbraten, Fleisch würfeln, mitbraten. Steckrüben, Möhren und Kartoffeln würfeln, zufügen und mit Wasser bedeckt aufgießen. Ca. 3/4 Stunde kochen lassen. Mit gehackter Petersilie bestreuen. Fertig!

Stelzenmann

Im Erzählcafé zum Thema Kindheit berichtet eine Teilnehmerin von einem großen Mann, der ihr Angst einjagte, einem Stelzenmann, wie sich hinterher herausstellte. Stelzenmänner gibt es auch heute noch. Es handelt sich zumeist um Klein- oder Straßenkünstler, die indem sie lange Hosen über ihren Stelzen tragen, den Eindruck von abnormer Größe erwecken. Oft werden diese auch zu Werbezwecken gebucht, da sie aufgrund ihrer Größe eine Menge Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Bereits in vergangenen Jahrhunderten wurden Stelzenmänner eingesetzt um für Produkte „Reklame“ zu machen.