Sexuelle Aufklärung? Da warte ich heute noch drauf ;-)
Diese Aussage einer Teilnehmerin fanden wir heute alle ziemlich lustig, und doch lag in ihr eine Menge Wahrheit.
Wirklich aufgeklärt wurde nämlich keiner aus der Gruppe. Es gab weder Sexualkunde in der Schule noch ein klärendes Gespräch mit den Eltern. Alles, was die Damen und der Herr wussten, haben sie von Freunden, manchmal älteren Geschwistern und aus Büchern wie “Unter vier Augen” oder “Die Frau als Hausärztin” erfahren, und das war - nach eigenen Aussagen - nicht viel.
wir waren ja so dumm
Dieser Satz fiel immer wieder um die allgemeine Unwissenheit zu beschreiben.
Alles, was mit Sexualität oder dem anderen Geschlecht zu tun hatte, war irgendwie peinlich, und allein schon deshalb fragte man auch nicht nach, selbst wenn einen das eine oder andere Thema interessierte.
Was soll man auch für Fragen stellen, wenn man gar nicht weiß, worum es geht?
Zwar bekamen die Teilnehmer mit der Zeit eine ungefähre Ahnung davon, was es bedeuten musste, verheiratet zu sein, und warum Frauen Babys bekamen, doch blieb das ganze Thema bis zum eigenen Erleben eher wage. Wenn sich jüngere Geschwister ankündigten, erfuhr man das manchmal erst, wenn auf einmal die Hebamme ins Haus kam. Über Schwangerschaften der Mütter wurde nicht gesprochen, der Bauch lange unter weiter Umstandskleidung versteckt. Die Teilnehmer hatten den Eindruck, dass ihren Müttern ihre Schwangerschaften eher peinlich waren.
Wir waren ja so schüchtern und haben uns geschämt
Über die erste Periode mit der besten Freundin reden? Den Bruder, die Schwester oder gar die Eltern nackt sehen? Über Probleme des Mann- oder Frau-Werdens reden? Das kannten die Teilnehmerinnen und der Teilnehmer nicht. Vieles wurde totgeschwiegen, hingenommen oder einfach nicht beachtet.
Umso schöner ist es, dass wir heute über dieses schwierige Thema reden konnten. Ich freue mich über die eine oder andere lustige, intime, peinliche oder ernste Anekdote, die ich heute hören durfte.