Weil Daniela Albert im Mutterschutz ist, wurde das Erzählcafé in diesem Jahr von Isabel Carqueville allein geleitet. Im nächsten Jahr ist Daniela aber wieder dabei.
In der ersten Runde 2011 haben wir uns mit den 1960er Jahren befasst. Die TeilnehmerInnen haben von ihren Familien erzählt, über Kindererziehung berichtet und erzählt, wie der Haushalt in den 60er Jahren oft noch ohne große Haushaltshilfen, wie sie heute in jeder Küche zu finden sind, geführt wurde. Neben dem Alltäglichen haben wir aber auch Besonderes besprochen, über Urlaub und Feiern beispielsweise. Über diese Themen ist ein wunderschönes Scrapbook entstanden, in dem die TeilnehmerInnen viel Arbeit reingesteckt haben.
 
Neben den persönlichen Erinnerungen wurde auch über Allgemeines und Politisches in den 60er Jahren gesprochen. Die Krisen und der Kalte Krieg haben auch in unseren TeilnehmerInnen die Angst vor einem weiteren Krieg aufkommen lassen.
Die zweite Runde im Jahr 2011 startete im Oktober mit neuem Zuwachs. Hans-Herbert und Elisabeth haben vom Erzählcafé erfahren und sind zu der Gruppe dazu gestoßen.
In dieser Runde haben wir uns schwerpunktmäßig mit den 1970er Jahren beschäftigt. Neben dem allgemeinen Zeitgeschehen haben wir auch in dieser Runde wieder über die Familien und die Kinder unserer TeilnehmerInnen erfahren. Es wurde aber auch über die alte Heimat, aus der man während oder nach dem Zweiten Weltkrieg flüchten musste, gesprochen. Einige TeilnehmerInnen haben in den 70er Jahren ihre Geburtsstädte wiederaufgesucht.
Eine Sitzung haben wir uns mit der DDR beschäftigt, bzw. welche Erfahrungen unsere TeilnehmerInnen mit der DDR gemacht haben. Dabei haben unsere TeilnehmerInnen einige spannende aber auch einige erschreckende Geschichten erzählt.
Am 25.11. haben wir als Erzählcafé einen Ausflug in die neu eröffnete Neue Galerie in Kassel gemacht. Einen Tag nach der Neueröffnung lud das Haus der Moderne, wie die Neue Galerie auch genannt wird, zum Tag der offenen Tür. Mit vielen anderen Besuchern haben wir uns also die Bilder und Skulpturen angeschaut.
 
Im Dezember haben wir eine kleine Weihnachtsfeier bei Isabel Zuhause gehabt und am 12.12. haben wir das Jahr mit einer Abschlusspräsentation im Stadtteiltreff ausklingen lassen.

Bei unserem treffen am 07.11. ging es um die Erfahrungen, die unsere TeilnehmerInnen mit der DDR hatten. Interessant ist, dass eigentlich niemand von der DDR sprach, sondern nur von der Ostzone und das vor und nach der Staatsgründung. Eigentlich war Deutschland schon direkt nach dem Krieg durch die Zonen geteilt, sagt ein Teilnehmer, die Staatsgründung war da kein einschneidendes Erlebnis. Einige der TeilnehmerInnen sind regelmäßig in die DDR gereist, sei es durch die Funkausstellung in Berlin, wo man einen Abstecher in die Ostzone machte, oder um Verwandte zu besuchen. Schlimm haben alle die Durchsuchungen an der Grenze in Erinnerung. Die Frauen an der Grenze waren nach den Erfahrungen unserer TeilnehmerInnen sogar schlimmer als die Männer. Unhöflich und sehr machtbewusst, nutzten sie ihre Stellung.

Eine Teilnehmerin erinnert sich aufgrund einer Kontrolle aus dem Zug geholt worden zu sein, während ihre kleinen Kinder noch im Zug saßen und völlig aufgelöst waren. Zum Glück fuhr der Zug erst wieder los, als sie wieder im Zug bei ihren Kindern war. “Kontrolle durch und durch”, so beschreiben unsere TeilnehmerInnen ihre Erfahrung mit der DDR. “Und die Menschen waren alle so eingeschüchtert und ängstlich.”
Der Urlaub in Tschechien zeigte einigen TeilnehmerInnen, wie unterschiedlich BRD- und DDR-Bürger behandelt wurden. Für die BRD-Bürger mit den harten Devisen war alles vom Feinsten, während die DDR-Bürger nicht so gutes Essen bekamen und auch der Speisesaal beispielsweise nicht so schön hergerichtet war – und das im gleichen Hotel.
In positiver Erinnerung ist der nachbarschaftliche Zusammenhalt, der aber auch im Westen zu dieser Zeit vorhanden war, sagen einige TeilnehmerInnen.
Am 24.10. war unser Thema Familie in den 70er. Viele TeilnehmerInnen hatten ja schon bei unserem letzten treffen gesagt, dass eigentlich die Familie in den 70ern das wichtigste war. Also sammelten wir von jedem/r Einzelnen, was ihr in den 70er Jahren besonders wichtig war.
Einige Teilnehmerinnen haben ihre alte heimat in Ostpreußen besucht und berichteten, wie schön aber manchmal auch wie fremd der Ort war, an dem sie so lange nicht waren. Das Auto spielte eine große Rolle in den 70er Jahren. Eine Teilnehmerin berichtet, als ihr Mann den Führerschein machen wollte sagte sie: Wenn du den machst, dann mach ich den auch. Und so war es dann auch. Die Kinder standen in den 70er Jahren im Zentrum des Geschehens, sei es, dass sie eingeschult wurden oder das sie den Führerschein machten. “Ich war nur für die Familie da.” sagt eine Teilnehmerin. Kurzurlaube waren sehr beliebt bei unseren TeilnehmerInnen, vor allem um auch den Kindern ein wenig mehr zeigen zu können. Da war auch der Führerschein und das Auto sehr praktisch. Auch Silberhochzeiten und eine Hochzeit wurde in den 70er Jahren gefeiert. Einige haben wieder angefangen zu arbeiten. Aber es gab auch Schattenseiten, so berichtet ein Teilnehmer von seinem ersten Herzinfarkt.
Rundum, waren die 70er laut unserer TeilnehmerInnen die schönsten Zeiten, aber sie sagen auch “Das war irgendwie normal.”.
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Was ist das überhaupt?
Erinnungsklatsch ist die Webseite eines Erinnungsprojekts, das regelmäßig im Kasseler DRK Stadtteiltreff Mombach stattfindet. Die Ergebnisse werden hier im Internet präsentiert. Das können Fotos, schriftliche Berichte - aber auch Gedichte, Kochrezepte oder andere erinnerungswerte Dinge sein.

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