“Dafür sind die Omas da.”

Isabel Carqueville am 21. Juli 2010 um 14:03

Nämlich zum Verwöhnen und den Enkeln was Gutes zustecken. Das kennen viele Teilnehmerinnen von ihren eigenen Großmüttern und so sind sie selbst als Oma und Uroma.

In Unserer Sitzung zum Thema Familie haben wir festgestellt, dass die “Normalfamilie” mit Vater-Mutter-Kind nicht alle der Teilnehmerinnen kennen. Heute würde man sagen, sie sind in Patchwork-Familien aufgewachsen, damals war das einfach normal. Dabei war oft der Vater für die Teilnehmerinnen sehr wichtig und spielte sogar eine Vorbildrolle. Die Mutter war oft strenger und vergab schonmal die ein oder andere Backpfeife.

Jedes Kind hatte in der Familie seine Aufgabe. So wurde der Haushalt, der noch ohne moderne Hilfen bestellt werden musste, von allen erledigt. Durch den teilweise sehr großen Altersunterschied zwischen den Geschwistern wurde aber eher mit FreundInnen gespielt. Oft gab es unter den Geschwistern auch großen Streit in der Kindheit, im Erwachsenenleben hat man diese Probleme aber meist überwunden und ist zu einem guten Verhältnis gekommen.

Die Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg führte oft dazu, dass die ganze Familie zerstreut war. So erzählt eine Teilnehmerin, dass ihr Vater nach und nach alle Kinder wieder zu sich geholt hat. Und eine andere Teilnehmerin erinnert sich noch heute an die sehr emotionale Rückkehr des Bruders aus dem Krieg. Gerade durch die frühen Kindstode und die gefallenen Brüder war man froh um jede gute Nachricht.

Für eine Teilnehmerin war neben dem Vater eine Tante die größte Bezugsperson in der Kindheit. Dort war sie oft nachmittags und spielte. Vor allem der Wellensittich der Tante war ein lieber Spielgefährte.

Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus!

Daniela Albert am 12. Juli 2010 um 19:47

Nein, unser Thema beim letzten Erzählcafé war nicht (nur) Fußball. Aber es ist wohl kaum möglich, ein Erzählcafé zum Thema “Fernsehen” zu machen, ohne eins der eindrucksvollsten Medienereignisse dieser Generation zu besprechen - den ersten Weltmeistertitel einer Deutschen Fußball-Nationalmannschaft 1954.  Nicht alle haben dieses Ereignis jedoch am Fernseher verfolgt. Eine Teilnehmerin erinnert sich:

Wir haben eine Fahrradtour gemacht an diesem Tag und auf dem Heimweg haben wir in jedem Ort gehalten und in den Kneipen nachgefragt, wie es gerade steht. Irgendwann kamen wir nach Heckershausen und dort brauchten wir nicht mehr fragen, denn die Leute kamen alle raus auf die Straße gerannt und umarmten sich.

Für einige war die Fußballübertragung die erste Erfahrung mit dem Fernseher überhaupt, denn ihre Familien hatten noch kein eigenes Gerät, die Übertragung des Länderspiels verfolgten sie in Kneipen.

Die ersten eigenen Geräte haben sich die Teilnehmer alle in etwa zur selben Zeit angeschafft, in den frühen 1960ern Jahren. Damals kosteten diese noch mehr als ein Monatsgehalt. Oft war der Grund dafür jedoch, dass man Geld sparen und die Abende zukünftig zu Hause vor dem Fernseher verbringen wollte.

Großer Beliebtheit erfreuten sich bei den Teilnehmern vor allem alte Kriminalfilme von Edgar Wallace oder Alfred Hitchcock, aber auch Sendungen mit beliebten Unterhaltern der damaligen Zeit, wie zum Beispiel Peter Frankenfeld, Hans Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal, Heinz Schenk oder Robert Lembke.

Das Farbfernsehen hielt erst viele Jahre nach seiner Einführung 1967 in die meisten Haushalte Einzug. So lange wurde weiter in schwarz-weiß geschaut. Eine Teilnehmerin erinnert sich:

Eigentlich hat mir das gar nichts aus gemacht, dass wir keine Farben hatten. Nur manchmal hatten die Frauen so wunderschöne Kleider an und dann wollte ich gern wissen, welche Farbe die hatten. Da habe ich dann bei meiner Tante angerufen, die hatte Farbfernsehen und habe die gefragt.

Die Fernsehwelt in den jungen Erwachsenenjahren unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer war eine komplett andere, als wir sie heute kennen. Statt Programm rund um die Uhr gab es einen Sendeschluss und zwar an manchen Tagen bereits vor 22 Uhr. Dann sah man auf dem Bildschirm nur ein Testbild. Lange Zeit gab es nur zwei oder drei Programme, es sei denn, man hatte wie einige der Teilnehmerinnen die Möglichkeit, zusätzlich noch DDR-Fernsehen zu empfangen.

Heute schauen besonders die Damen noch immer gern alte Heimatfilme und sei es nur aus nostalgischen Gründen: oft erkennen sie in der einen oder anderne Sendung ein Kleid oder ein Möbelstück, dass auch sie in der damaligen Zeit besessen hatten

Die Währungsreform

Isabel Carqueville am 3. Juli 2010 um 10:05

Thema des Erzählcafés am 21.06.2010 waren die Währungsreformen. Als Währeungsreform bezeichnet man die Änderung von relevanten Merkmalen einer Währung, der einen Umtausch alter Währungseinheiten zu einem staatlich festgelegten Wechselkurs in Einheiten der neuen Währung beinhaltet. Vorboten einer Währungsreform sind Staatsbankrott, Kriegsfinanzierung, politische Gründe und Hyperinflation. In der deutschen geschiche gibt es 6 Währungsreformen:

  • 1871-1973: Vereinheitlichung
  • 1923-1925: Umstellung von der Mark auf die Rentenmark, später Reichsmark, im Deutschen Reich
  • 1948: Einführung der D-Mark in der Westzone, Einführung der Mark in der Ostzone
  • 1990: Einführung der D-Mark in den neuen Bundesländern
  • 1999/2000: Einfphrung des Euros

Die TeilnehmerInnen des Erzählcafés haben die Währungsreform in den 20er Jahren zwar nicht aktiv miterlebt, können sich aber daran erinnern, was die Eltern erzählt haben. Bei einigen lagen sogar noch einige Millionen alter Währung im Kleiderschrank. Von den Kindern wurde die alten Scheine als Spielgeld für den Kaufmannsladen benutzt. Die Währungsreform 1948 ist allen noch gut in Erinnerung. Vor allem wie sie anstehen mussten, um die ersten 40 D-Mark in Empfang zu nehmen und wie breit das Angebot auf einmal in den Warengeschäften war, erinnern alle TeilnehmerInnen. Der erste Einkauf mit der neuen Währung waren zuallererst Lebensmittel. Der Schwarzmarkt hatte auch in Kassel seinen festen Standort und man verdiente sich ein wenig Geld durch den Verkauf von Früchten dazu. Gerade für diejenigen, die als Vertriebene in Kassel von vorn anfangen mussten, hatten es schwer mit dem wenigen Geld über die Runden zu kommen.

Die Einführung des Euros sehen die TeinehmerInnen ambivalent. Auf der einen Seite ist es schön, bei Reisen kein Geld vorher wechseln zu müssen, auf der anderen Seite haben alle den Eindruck, dass sie vor der Währungsreform mehr vom Geld hatten.

Ausflug zum Schulweg in die Unterneustadt

Isabel Carqueville am 1. Juli 2010 um 09:03

Am 14.06. haben wir uns zu einer ganz besonderen Sitzung getroffen. Diesmal wollten wir nicht in den Räumen des Stadtteiltreffs unsere Erinnerungsreise begehen, sondern eine kleine Exkursion machen. Ilse Bassen hat uns auf ihren ehemaligen Schulweg geführt und die Gruppe an ihren Erinnerungen zu Schule und Kindheit teilhaben lassen. So kurz der Weg vom Zuhause der Kindheit zur Mädchenschule in der Unterneustadt auch war, Ilse hatte viele schöne Erinnerungen daran. Wie sie die Freundinnen im Nachbarhaus abgeholt hat, um zusammen mit ihnen am Pfarrhaus vorbei zur Schule zu gehen. Und dort wurde nicht einfach das Tor zum Schulhof genommen, sondern über den Zaun geklettert.

Es gabe aber natürlich aber natürlich auch die Erinnerungen an den Krieg. An zerstörte Häuser und Notunterkunft.

Interessant war auch, wie viel und gleichzeitig wie wenig sich in der Nachbarschaft verändert hat. So ist die Straßenführung noch vollkommen gleich, auch wenn sich einige Häuser sehr verändert haben.

Als Abschluss haben wir uns noch die Stelle angeschaut, auf der zu früherer Zeit die Zweite Unterneustädter Kirche stand.

Zuwachs im Erzählcafé

Isabel Carqueville am 18. Mai 2010 um 16:07

Seit April 2010 wird Daniela Albert von einer zweiten Leiterin im Erzählcafé unterstützt. Isabel Carqueville und Daniela Albert übernehmen nun abwechselnd die einzelnen Sitzungen und stellen die Ergebnisse auf die Homepage.Unter Über das Projekt links in der Menuleiste stellen sich beide Leiterinnen kurz vor. Außerdem wurden in die Photogalerie Erinnerungs-Impressionen Bilder von den Teilnehmerinnen Anneliese Flöther und Krimhilde Siegener aufgenommen und es gibt auch einen neuen Begriff in der Schatzkiste.